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Mit dem Bus durch London

Von Christian Haas, Reiseredaktion

Wer Scotland Yard spielt, kennt schon ein paar Routen, denn Mister X fährt nicht nur Tube und Taxi, sondern mit Vorliebe auch Bus. Tun Sie es ihm nach!

Als das Gesellschaftsspiel "Scotland Yard" 1983 zum Spiel des Jahres gekürt wurde, war klar, dass mit Londons Bussen die roten Doppeldecker gemeint sind. Längst sind sie zu einem Wahrzeichen der pulsierenden Metropole an der Themse geworden. Doch die Zeiten ändern sich. Für Liebhaber der wendigen "Routemaster" schneller, als ihnen lieb ist. Denn in den vergangenen Jahren wurden die meisten Doppeldecker durch herkömmliche Niederflurbusse ersetzt. Und wenn die zahlreichen Proteste, die derzeit deutlich vernommen werden können, nicht noch Gehör finden, dann soll Ende 2005 bzw. Anfang 2006 ganz Schluss sein mit den roten Riesen. Ein Grund mehr, noch einmal schnell nach London zu reisen, und auf den wenigen verbliebenen Routemaster-Strecken die Stadt zu erkunden.

Ein Highlight jagt das nächste
Wir empfehlen die Route 159 - und einen Platz im Oberdeck, denn von oben bietet sich einfach ein noch besserer Ausblick auf dieser speziellen Stadtrundfahrt. Die Busse starten direkt am Hyde Park an der Underground-Station Marble Arch, fahren die Oxford Street hinunter und weiter zum Piccadilly Circus - für Londoner der "Nabel der Welt". Am Eros-Brunnen treffen sich vornehmlich jugendliche Touristen und Kunstinteressierte statten der Royal Academy of Arts, in der ungemein populäre Ausstellungen gezeigt werden, einen Besuch ab. Dann geht es weiter zum Trafalgar Square, jener berühmten "Insel" mitten im Verkehrsgewühl. Rund um den imposanten Platz, in dessen Mittelpunkt die 56 Meter hohe Nelson's Column aufragt, befinden sich einige Sehenswürdigkeiten, zum Beispiel die National Gallery. Und auch wenn man hier keine Tauben mehr füttern darf, wofür der Trafalgar Square berühmt wurde: Einen Blick auf den Buckingham Palace erhaschen, das geht.

Königlicher Abstecher
Noch eindrucksvoller ist es, dort hinzulaufen, auch wenn das rund 20 Minuten in Anspruch nimmt. Die sind es jedoch allein wegen des berühmten Wachwechsels wert. Außerdem kann man durch den St. James's Park und somit im Grünen spazieren - natürlich auch wieder zurück. Vom Old War Office geht es dann per Bus weiter zum Westminster. Die Westminster Abbey, jener gotische Meisterbau, in dem seit 1066 die britischen Könige gekrönt werden, ist ein Muss, ebenso der benachbarte Jewel Tower und ein Blick auf das Houses of Parliament sowie ein Lauschen auf den berühmten Gong von Big Ben.

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Vorbeischaukeln am Picadilly C.

Der Bus 159 chauffiert laufmüde Fahrgäste einen auf die andere Seite der Themse. Dort wartet das London Aquarium - eines der größten Europas mit mehr als 350 Arten! - und das London Eye. Trotz immens hoher Preise (Erwachsene zahlen pro Fahrt 11,50 Pfund, etwa 16 Euro) lohnt sich die Fahrt mit dem Riesenrad. In 135 Metern Höhe liegt London dem Fahrgast zu Füßen und Tate Modern, der Tower und überhaupt die gesamte Stadt sind zum Greifen nah. Nach diesem abgehobenen Erlebnis stellt sich - zurück im Doppeldecker - wieder die nötige Bodenhaftung ein. Auf dem Weg nach Kennington bekommt man schließlich noch ein Gefühl für das London jenseits der bekannten Sehenswürdigkeiten. Spätestens hier wird jedem klar, dass die britische Metropole ein Kulturenschmelztiegel ersten Ranges ist. In diesem Bezirk werden einem vor allem koreanische Landsleute und Läden auffallen.

London mit dem Boot
Wem Londons Straßenverkehr zu turbulent ist, der kann auf einem Boot das Weite suchen. Eine Themsefahrt gehört ohnehin zu den besten Methoden, die zeitgenössische Architektur Londons zu erkundschaften. Meile für Meile schippert man an neuen Bürogebäuden und Apartmenthäusern vorbei: Cesar Pellis Canary Wharf Tower, mit 237 Metern eines der höchsten Häuser Europas, ist während der gesamten Tour zu sehen. Ansonsten säumen Glas, Stahl, Beton und Klinker die Themse wie eine postmoderne Zierleiste. Der Fluss ist schick, und das war längst nicht immer so. Jahrzehntelang bestand die Uferlandschaft hauptsächlich aus stillgelegten Docks und vergammelten Speicherhäusern. Anfang der 1980er-Jahre begannen dann Spekulanten, einige der Wharfs aufzukaufen - dann kamen die Künstler und Filmemacher, Modefirmen und Designer. Und heute kann sich vor allem das Südufer richtig sehen lassen - am besten eben vom Boot aus.

Weitere Informationen:
British Tourist Authority (BTA), Westendstr. 16-22, 60325 Frankfurt a. M., Tel.: 01801/468642, E-Mail: gb-info@visitbritain.org

Christian Haas, 8. November 2005
Fotos: © Britain on View

 
 

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